Das Foto selbst
Bewerbungsfoto Ăsterreich: Unterschiede zu Deutschland
Foto, Format und Kleidung sind in Ăsterreich wie in Deutschland. Anders sind die Behörde, der Fotohandel, die Jobbörsen â und vor allem das Steuerrecht. Die Unterschiede im Detail.
8 Min. Lesezeit
Beim Foto selbst ist Ăsterreich Deutschland erstaunlich Ă€hnlich: gleiche Konvention, gleiche Formate, gleiche Kleidungsregeln, gleiches Preisniveau beim Fotografen. Was tatsĂ€chlich anders ist, hat mit dem Bild wenig zu tun â es sind die Behörde (AMS statt Agentur fĂŒr Arbeit), der Fotohandel (Hartlauer statt dm-Fotoservice), die Jobbörsen, die lokale Suche in Wien und vor allem das Steuerrecht. Und genau beim Steuerrecht richten deutsche Ratgeber in Ăsterreich den meisten Schaden an.
Dieser Artikel trennt sauber: was du aus deutschen Anleitungen bedenkenlos ĂŒbernehmen kannst, und wo du aufhören musst, sie zu lesen.
Was in Ăsterreich gleich ist
Die handwerkliche Seite ist deckungsgleich. Wenn du eine gute deutsche Anleitung zum Bewerbungsfoto liest, gilt sie in Linz genauso wie in Leipzig:
- Format und Platzierung. Ăsterreich arbeitet mit denselben DIN-A4-Unterlagen und denselben gĂ€ngigen Bildformaten; das Foto sitzt ĂŒblicherweise oben rechts auf der ersten Seite des Lebenslaufs oder auf einem Deckblatt. Die MaĂe und Auflösungen findest du in unserem Ratgeber zu GröĂe und Format des Bewerbungsfotos.
- Kleidung und Wirkung. Die Branchenlogik ist identisch â eine halbe Stufe formeller als der Alltag im Zielberuf, einfarbig, Langarm, kein Logo. Details stehen in der Kleidungsberatung nach Branche.
- Preisniveau beim Fotografen. Ein Bewerbungsfoto-Set kostet im Euroraum ĂŒblicherweise 80 bis 150 Euro. Wien liegt eher am oberen Rand, BezirksstĂ€dte eher darunter.
- Der Grundsatz. Ein Foto ist Konvention, keine gesetzliche Pflicht. Ăblich ist es, verpflichtend nicht.
Eine Warnung an dieser Stelle, weil sie im deutschsprachigen Netz massenhaft falsch steht: Die verbreitete Behauptung, ein Unternehmen dĂŒrfe nicht nach einem Foto fragen, ist fĂŒr Deutschland so nicht haltbar â die Anforderung eines Lichtbilds ist fĂŒr sich genommen weder unmittelbare noch mittelbare Benachteiligung im Sinne des AGG. FĂŒr Ăsterreich gilt ohnehin ein eigenes Regelwerk, das Gleichbehandlungsgesetz (GlBG), und deutsche AGG-Kommentare lassen sich darauf nicht eins zu eins ĂŒbertragen. Kurz: Rechne damit, dass ein Foto erwartet wird, statt dich auf eine Rechtsposition zu verlassen, die du im Netz aufgeschnappt hast.
Die Unterschiede auf einen Blick
| Thema | Deutschland | Ăsterreich |
|---|---|---|
| Arbeitsmarktbehörde | Agentur fĂŒr Arbeit, Jobcenter | AMS (Arbeitsmarktservice) â nicht âArbeitsamtâ |
| KostenĂŒbernahme fĂŒrs Foto | Ăber das Vermittlungsbudget (§ 44 SGB III) ausdrĂŒcklich förderfĂ€hig, Antrag vor dem Kauf | Nach derzeitigem Stand keine eigene KostenĂŒbernahme fĂŒrs Foto â bei der AMS-Betreuung nachfragen |
| Hilfe rund ums GesprĂ€ch | Reisekosten ĂŒber dasselbe Vermittlungsbudget | Vorstellungsbeihilfe fĂŒr ĂŒberregionale VorstellungsgesprĂ€che, Antrag vor dem Termin |
| Gleichbehandlung | AGG | Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) |
| Fotohandel um die Ecke | dm-Fotoservice, Rossmann, Fotoautomat | Hartlauer als bekannteste Fotokette, dazu dm und Fotoautomaten |
| GroĂe Jobplattformen | StepStone, Indeed, Xing-Stellenmarkt | karriere.at, StepStone Ăsterreich, willhaben Jobs, AMS eJob-Room |
| Lokale Suche | Nach Stadtname | In Wien nach Bezirk und Postleitzahl (1010, 1070, 1220) |
| Steuer | Werbungskosten nach deutschem Recht, mit eigenen Pauschalen | Eigenes österreichisches Steuerrecht â deutsche Pauschalen gelten hier nicht |
| Fotoklar-Preise | 19 / 29 / 49 ⏠| Identisch: 19 / 29 / 49 ⏠|
AMS statt Arbeitsamt â und was das praktisch bedeutet
Der wichtigste inhaltliche Unterschied steckt in dieser Zeile der Tabelle. In Deutschland nennt die Bundesagentur fĂŒr Arbeit Bewerbungsfotos ausdrĂŒcklich als förderfĂ€hige Kosten fĂŒr Bewerbungsunterlagen; wer den Antrag vor dem Kauf stellt, kann sie bezahlt bekommen.
In Ăsterreich sieht es anders aus. Nach derzeitigem Stand gibt es beim AMS keine eigene KostenĂŒbernahme fĂŒr Bewerbungsfotos â schreib dir diese Auskunft aber nicht in den Kalender, sondern frag deine AMS-Betreuung. Regionale GeschĂ€ftsstellen und einzelne Programme handhaben Details unterschiedlich, und es kostet dich eine Nachricht im eAMS-Konto.
Was das AMS dagegen abdecken kann, ist die Vorstellungsbeihilfe: Fahrt, NĂ€chtigung und Verpflegung fĂŒr ein VorstellungsgesprĂ€ch auĂerhalb deiner Region. Auch hier gilt die eiserne Reihenfolge â beantragen, bevor du fĂ€hrst. Wie das ablĂ€uft und was ein österreichischer Arbeitgeber dir ohnehin an Aufwand ersetzen muss, steht ausfĂŒhrlich in Zahlt das AMS das Bewerbungsfoto?
Hartlauer, Fotograf oder Handy: die vier Wege in Ăsterreich
Der österreichische Fotohandel funktioniert anders als der deutsche, und wer nach âBewerbungsfoto dmâ sucht, landet hier schnell beim falschen Anbieter â was du bei der bekanntesten Kette des Landes tatsĂ€chlich bestellst, steht ausfĂŒhrlich unter Bewerbungsfoto bei Hartlauer: Ablauf und Alternativen.
| Weg | Was du bekommst | Worauf du achten musst |
|---|---|---|
| Fotograf / Fotostudio | GefĂŒhrte Sitzung, Licht, Auswahl aus mehreren Aufnahmen | 80â150 ⏠im Euroraum, Termin nötig, in Wien Wartezeiten |
| Hartlauer | Die bekannteste Fotokette des Landes, Fotoservice in vielen Filialen | Frag ausdrĂŒcklich nach einem Bewerbungsfoto-Shooting, nicht nach einem Passbild â das sind zwei verschiedene Leistungen |
| dm-Fotoservice, Fotoautomat | Schnell und billig, oft ohne Termin | In der Regel Passbildlogik: frontal, neutral, hartes Licht. Als Bewerbungsfoto selten ĂŒberzeugend |
| Selfies plus KI | Mehrere Stile aus denselben Handyfotos, kein Termin | Muss dir Ă€hnlich sehen; fĂŒr Ausweisdokumente nicht verwendbar |
Bewerbungsfoto und Passbild sind nicht dasselbe. KI-generierte Portraits sind fĂŒr Reisepass, Personalausweis und FĂŒhrerschein nicht zulĂ€ssig. Wenn du beides brauchst, plane zwei getrennte Besorgungen ein â das Amtsbild vom Automaten oder Fotografen, das Bewerbungsbild dort, wo es am besten aussieht.
Wien wird nach Bezirk gesucht, nicht nach Stadt
Wer in Graz oder Salzburg ein Studio sucht, tippt den Stadtnamen. In Wien lĂ€uft es anders: Die Suche geht ĂŒber den Bezirk oder die Postleitzahl â âBewerbungsfotos 1010â, âFotostudio 1070â, âPassbilder 1220â. Das ist keine Marotte, sondern eine Konsequenz der StadtgröĂe. Ein Studio in Floridsdorf nĂŒtzt dir wenig, wenn du in Meidling wohnst und der Termin um 17 Uhr ist.
Praktisch heiĂt das zweierlei. Erstens: Such gezielt nach deinem Bezirk, sonst bekommst du eine Liste quer ĂŒber die Stadt. Zweitens: Genau dieser Aufwand â Termin finden, hinfahren, warten, hinfahren â ist der Grund, warum viele in Wien inzwischen zu Hause fotografieren oder KI nutzen. Der Preisunterschied ist das eine, die zwei verlorenen Stunden an einem Werktag das andere.
Der Lebenslauf ist österreichisch, nicht deutsch
Das Foto sitzt in einem Dokument, und dieses Dokument sollte klingen, als wĂ€re es hier geschrieben worden. Ein Lebenslauf mit deutschen Begriffen fĂ€llt österreichischen Personalverantwortlichen sofort auf â nicht negativ, aber er markiert dich als auswĂ€rtig, und das willst du nicht unbeabsichtigt tun.
- Matura, nicht Abitur.
- Lehre und LehrabschlussprĂŒfung, nicht Ausbildung und IHK-Abschluss.
- PrÀsenzdienst oder Zivildienst, nicht Wehrdienst und Bundesfreiwilligendienst.
- Karenz, nicht Elternzeit.
- JĂ€nner, nicht Januar â der Klassiker in Datumsangaben.
- Beim AMS heiĂt die Ansprechperson AMS-Betreuung oder Beraterin bzw. Berater, nicht Vermittlungsfachkraft.
FĂŒrs Foto selbst folgt daraus nur eine Sache, aber eine wichtige: Wenn du dich aus Deutschland heraus in Ăsterreich bewirbst, passt du das Dokument an â und lĂ€sst das Bild, wie es ist. Ein gutes Portrait ist nicht lĂ€nderspezifisch.
Steuer: Finger weg von den deutschen Zahlen
Hier liegt die hĂ€ufigste Falle. Im deutschsprachigen Netz kursieren konkrete Pauschalen fĂŒr Bewerbungskosten und ein fester Betrag, ab dem sich das Absetzen ĂŒberhaupt lohnt. Diese Zahlen stammen aus dem deutschen Steuerrecht â aus deutscher Finanzgerichtsrechtsprechung und dem deutschen Arbeitnehmer-Pauschbetrag.
Sie gelten in Ăsterreich nicht, und wir nennen sie hier bewusst nicht, weil die österreichischen Entsprechungen andere sind und wir sie nicht geprĂŒft haben. Wer deutsche BetrĂ€ge in eine österreichische Arbeitnehmerveranlagung schreibt, trĂ€gt schlicht falsche Zahlen ein.
FĂŒr Ăsterreich gilt: Bewerbungskosten können steuerlich relevant sein, aber nach österreichischen Regeln und mit österreichischen BetrĂ€gen. PrĂŒf das ĂŒber die offiziellen österreichischen Informationsquellen oder frag deine Steuerberatung. Unser Artikel zum Absetzen von Bewerbungsfotos beschreibt ausschlieĂlich die deutsche Rechtslage â als Vergleich lesenswert, als Vorlage fĂŒr Ăsterreich ungeeignet.
UnabhĂ€ngig vom Land bleibt eine Regel: Heb die Rechnung auf. Eine ZahlungsbestĂ€tigung von PayPal oder Stripe ist keine Rechnung, und nachtrĂ€glich eine zu bekommen ist mĂŒhsam.
Wenn das Foto aus dem Handy kommt
Der Weg, der in Ăsterreich den Termin und die Fahrt in den richtigen Bezirk erspart: Du lĂ€dst 8 bis 15 Selfies hoch â verschiedene Lichtsituationen, verschiedene Blickwinkel. Darauf wird ein Modell ausschlieĂlich auf dein Gesicht trainiert, das anschlieĂend Portraits in mehreren Stilen erzeugt. Nach etwa zwei Stunden bekommst du einen Link auf eine private Galerie.
| Paket | Bilder | Stile | Preis |
|---|---|---|---|
| Starter | 40 | 4 | 19 ⏠|
| Pro | 100 | 8 | 29 ⏠|
| Premium | 200 | 8 | 49 ⏠|
Einmalzahlung, kein Abo, und in jedem Paket ist ein kostenloser Neu-Durchlauf enthalten â falls die erste Runde nicht trifft, lĂ€uft sie ohne Aufpreis noch einmal. Pro und Premium werden bevorzugt verarbeitet.
Zwei Punkte, die du vorher klĂ€ren solltest, weil sie in Ăsterreich genauso wiegen wie in Deutschland: Ein KI-Portrait ist zulĂ€ssig, muss dir aber Ă€hnlich sehen â wo die Grenze zwischen Retusche und TĂ€uschung liegt, klĂ€rt Sind KI-Bewerbungsfotos erlaubt? Und weil du beim Upload Gesichtsdaten weitergibst, lohnt vorher der Blick darauf, wo sie liegen und wann sie gelöscht werden.
Checkliste fĂŒr Ăsterreich
- Foto einplanen: ĂŒblich, aber nicht Pflicht â im Zweifel dabeihaben.
- Format und Platzierung nach den gÀngigen Vorgaben, oben rechts im Lebenslauf oder aufs Deckblatt.
- Kleidung eine halbe Stufe formeller als der Alltag im Zielberuf, einfarbig, Langarm.
- AMS-Betreuung einmal fragen: Foto nach derzeitigem Stand nein, Vorstellungsbeihilfe fĂŒrs ĂŒberregionale GesprĂ€ch aber möglich â und immer vor dem Termin beantragen.
- Bei Hartlauer, dm oder im Automaten ausdrĂŒcklich Bewerbungsfoto sagen, sonst bekommst du ein Passbild.
- FĂŒr Reisepass, Personalausweis und FĂŒhrerschein ein echtes Lichtbild besorgen â KI-Portraits sind dort nicht zulĂ€ssig.
- Lebenslauf österreichisch formulieren: Matura, Lehre, PrÀsenzdienst, Karenz, JÀnner.
- Steuerfrage nach österreichischen Regeln klÀren, nicht nach deutschen Pauschalen. Rechnung aufheben.
Fazit
Das Bild ist in Ăsterreich dasselbe wie in Deutschland â der Rahmen darum herum nicht. Die Behörde heiĂt AMS und fördert das Foto nach derzeitigem Stand nicht, dafĂŒr gibt es die Vorstellungsbeihilfe fĂŒrs GesprĂ€ch. Der Fotohandel heiĂt Hartlauer, die Jobsuche lĂ€uft ĂŒber karriere.at, Wien wird nach Bezirk gesucht, und beim Steuerrecht endet die Ăbertragbarkeit deutscher Ratgeber vollstĂ€ndig.
Wenn du das Foto selbst zahlst â und in Ăsterreich ist das der Normalfall â liegt der Preis bei Fotoklar bei 19, 29 oder 49 Euro, identisch mit Deutschland, gegenĂŒber 80 bis 150 Euro beim Fotografen. Der gröĂere Gewinn ist aber oft der Termin, den du dir sparst.
HĂ€ufige Fragen
Gehört in Ăsterreich ein Foto in den Lebenslauf?
Ăblich ist es weiterhin, gesetzlich vorgeschrieben ist es nicht. In der Praxis erwarten viele österreichische Betriebe ein Foto, und ohne eines fĂ€llt eine Bewerbung eher auf als mit. Wenn du dich bewusst dagegen entscheidest, ist das legitim â rechne aber damit, dass es bemerkt wird.
Was kostet ein Bewerbungsfoto in Ăsterreich?
Beim Fotografen liegt ein Bewerbungsfoto-Set im Euroraum ĂŒblicherweise bei 80 bis 150 Euro, in Wien am oberen Ende. Deutlich gĂŒnstiger sind Fotoautomaten und der Fotohandel, dort bekommst du aber meist ein Passbild und keine Bewerbungsaufnahme. KI-Portraits gibt es in Ăsterreich zu denselben Preisen wie in Deutschland, bei Fotoklar 19, 29 oder 49 Euro.
Zahlt das AMS mein Bewerbungsfoto?
Nach derzeitigem Stand ĂŒbernimmt das AMS die Kosten fĂŒr Bewerbungsfotos nicht â anders als die deutsche Agentur fĂŒr Arbeit, die sie ĂŒber das Vermittlungsbudget ausdrĂŒcklich fördern kann. Verlass dich aber nicht auf diese Auskunft, sondern frag deine AMS-Betreuung direkt. Was das AMS sehr wohl abdecken kann, ist die Vorstellungsbeihilfe fĂŒr ein ĂŒberregionales VorstellungsgesprĂ€ch.
Kann ich ein KI-Bewerbungsfoto in Ăsterreich fĂŒr den Reisepass verwenden?
Nein. KI-generierte Portraits sind fĂŒr Reisepass, Personalausweis und FĂŒhrerschein nicht zulĂ€ssig, in Ăsterreich genauso wenig wie in Deutschland. FĂŒr behördliche Dokumente brauchst du ein echtes Lichtbild nach den amtlichen Vorgaben. Bewerbungsfoto und Passbild sind zwei getrennte Besorgungen.
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