Schweiz
Bewerbungsfoto: Schweiz und Deutschland im Vergleich
Wer sich von Deutschland in die Schweiz bewirbt, stolpert ĂŒber dieselben Punkte: Dossier statt Mappe, andere Fotonorm, andere Zeugnispraxis.
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Der wichtigste Unterschied in einem Satz: In der Schweiz bewirbst du dich mit einem vollstĂ€ndigen Dossier, in dem ein Foto weiterhin selbstverstĂ€ndlich ist â in Deutschland mit einer Auswahl an Unterlagen, in der das Foto zunehmend freiwillig wird. Alles andere folgt daraus.
Dieser Artikel ist fĂŒr die grosse Gruppe, die zwischen beiden MĂ€rkten pendelt: Deutsche, die sich bei Schweizer Arbeitgebern bewerben, und Schweizer Bewerbungen, die nach Deutschland gehen. Die Aufbau-Details des Schweizer Dossiers stehen in Bewerbungsdossier Schweiz: Foto-Grösse und Titelblatt, hier geht es um die Unterschiede.
Der Vergleich auf einer Seite
| Aspekt | Schweiz | Deutschland |
|---|---|---|
| Begriff | Bewerbungsdossier | Bewerbungsmappe, Bewerbungsunterlagen |
| Anschreiben | Motivationsschreiben oder Begleitschreiben | Anschreiben; «Motivationsschreiben» meint die optionale dritte Seite |
| Erste Seite | Titelblatt verbreitet, oft mit grösserem Foto | Deckblatt möglich, seltener erwartet |
| Foto | Konvention, im Lebenslauf oder Titelblatt | freiwillig, Tendenz zu fotolos und anonymisiert |
| Foto-Grösse | 4,5 à 6,5 cm bis 6 à 9 cm, Hochformat | hÀufig 4,5 à 6 cm; Deckblatt grösser |
| Lebenslauf | 2 bis 3 Seiten, antichronologisch, ohne Unterschrift | meist 1 bis 2 Seiten, mit Ort, Datum, Unterschrift |
| Persönliche Daten | Geburtsdatum, NationalitĂ€t, Zivilstand, bei AuslĂ€ndern die Bewilligung | Geburtsdatum ĂŒblich, Familienstand rĂŒcklĂ€ufig |
| Zeugnisse | alle Arbeitszeugnisse vollstÀndig beilegen | Auswahl der relevantesten gÀngig |
| Ton | zurĂŒckhaltend, belegte Beispiele statt Superlative | selbstbewusster, stĂ€rker qualifikationsorientiert |
| Akademische Titel | zurĂŒckhaltend, nicht vor den Namen | Titel werden oft vorangestellt |
| Rechtschreibung | «ss» statt Eszett | Eszett ĂŒblich |
Das Foto: der Unterschied, der am meisten kostet
Rechtlich erzwingen kann ein Foto weder ein deutscher noch ein schweizerischer Arbeitgeber. Die Praxis hat sich aber auseinanderentwickelt.
In Deutschland hat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 2006 das Foto ausdrĂŒcklich zur freiwilligen Angabe gemacht, und grössere Unternehmen setzen zunehmend auf anonymisierte Auswahlverfahren. Viele mittlere und kleinere Betriebe sehen weiter Fotos, aber ein deutsches Dossier ohne Bild fĂ€llt nicht mehr auf.
In der Schweiz ist diese Bewegung nie so weit gekommen. Der Job Coach von jobs.ch schreibt, es sei hierzulande «nach wie vor ĂŒblich, ein Foto auf dem Lebenslauf zu platzieren», und empfiehlt eines, ausser die Ausschreibung sage anderes. Die Career Services der UniversitĂ€t ZĂŒrich nennen das Foto formal optional, beschreiben es aber im Detail: Kopf und Schultern, Hochformat, 4,5 Ă 6,5 cm bis 6 Ă 9 cm, maximal zwei Jahre alt, neutraler Hintergrund, freundliches LĂ€cheln.
Praktische Folge: Aus Deutschland in die Schweiz gehört ein Foto ins Dossier. In der anderen Richtung ist es unschĂ€dlich, aber du solltest bei anonymisierten deutschen Verfahren darauf verzichten. Die Details fĂŒr die Schweizer Seite stehen in Lebenslauf Schweiz: Foto ja oder nein â und wohin?
Und die Platzierung unterscheidet sich mit: Schweizer Vorlagen setzen das PortrÀt konservativ rechts oben auf der ersten Seite, oder gross auf das Titelblatt. Deutsche Vorlagen behandeln es hÀufiger als kleinen Einschub im Kopfbereich.
Titelblatt: verbreitet gegen möglich
Das Titelblatt â in der Schweiz auch Deckblatt genannt â ist dort erkennbar ĂŒblicher. Es trĂ€gt Name, Zielposition, Kontaktdaten, ein Beilagenverzeichnis und hĂ€ufig das grössere Foto. Pflicht ist es nicht: berufsberatung.ch nennt fĂŒr Lehrstellen-Bewerbungen nur Bewerbungsbrief, Lebenslauf und Beilagen, und die Career Services der UniversitĂ€t ZĂŒrich erwĂ€hnen kein Titelblatt.
In Deutschland ist ein Deckblatt möglich, gilt aber vielen Personalverantwortlichen als zusĂ€tzliche Seite ohne Informationsgewinn. Wenn du dein deutsches Dossier fĂŒr die Schweiz aufbereitest, ist ein Titelblatt eine sinnvolle ErgĂ€nzung; umgekehrt kannst du es fĂŒr Deutschland weglassen.
Eine verbindliche Zentimeterangabe fĂŒr das Titelblatt-Foto existiert in keiner Schweizer Quelle. Wer dir eine nennt, hat sie erfunden â die BegrĂŒndung dazu steht im Dossier-Artikel.
Wenn du gerade beide Zuschnitte brauchst â den engeren fĂŒrs Hochformat im Lebenslauf und den grösseren fĂŒrs Titelblatt â bekommst du sie aus einem Set. Bei Fotoklar lĂ€dst du 8 bis 15 Selfies vom Handy hoch, der Upload ist kostenlos und unverbindlich, den Preis wĂ€hlst du danach: in der Schweiz CHF 39, 69 oder 119 fĂŒr 40, 100 oder 200 Bilder, in Deutschland 19, 29 oder 49 Euro. Einmalig, ohne Abo, Verarbeitung auf Servern in der EU-Region Frankfurt. Selfies hochladen und Stile ansehen
Arbeitszeugnisse: der unterschÀtzte Punkt
Hier liegt der grösste inhaltliche Unterschied, und er kostet Deutsche regelmÀssig Runden.
Das Schweizer Arbeitszeugnis ist in Art. 330a OR geregelt: Arbeitnehmende können jederzeit ein Zeugnis ĂŒber Art und Dauer des ArbeitsverhĂ€ltnisses sowie ĂŒber Leistungen und Verhalten verlangen. Lehre und Rechtsprechung haben daraus vier GrundsĂ€tze abgeleitet â ein Zeugnis muss wahr, wohlwollend, vollstĂ€ndig und klar sein. Wahlweise gibt es das qualifizierte Vollzeugnis oder die blosse ArbeitsbestĂ€tigung.
Drei praktische Konsequenzen:
- VollstĂ€ndigkeit. Ins Schweizer Dossier gehören die Arbeitszeugnisse komplett, antichronologisch geordnet, das aktuellste zuoberst. Wer aus Deutschland kommt und gewohnt ist, die zwei relevantesten beizulegen, wirkt lĂŒckenhaft.
- Anderer Tonfall. Schweizer Arbeitszeugnisse sind oft kĂŒrzer als deutsche â berichtet werden etwa anderthalb Seiten gegenĂŒber zwei bis zweieinhalb in Deutschland. Deutsche Leser interpretieren die knappere Form gelegentlich als schwach oder gar negativ, obwohl sie im Schweizer Kontext klar positiv gemeint ist.
- Umgekehrt gilt: Wer ein Schweizer Zeugnis nach Deutschland mitnimmt, tut gut daran, im Motivationsschreiben Leistungen zusÀtzlich konkret zu benennen, statt sich auf die Zeugnisformulierung zu verlassen.
Der Lebenslauf im Detail
LĂ€nge und Ordnung. Schweizer LebenslĂ€ufe dĂŒrfen mit zwei bis drei Seiten lĂ€nger sein als die in Deutschland verbreitete Ein- bis Zweiseiter-Norm. Antichronologisch ist in beiden LĂ€ndern Standard.
Unterschrift. In Deutschland gehören Ort, Datum und Unterschrift unter den Lebenslauf. In der Schweiz nicht. Das ist ein kleiner, aber verlĂ€sslicher Marker dafĂŒr, dass jemand ein deutsches Dokument unverĂ€ndert eingereicht hat.
Persönliche Daten. Der Schweizer Kontaktblock enthĂ€lt ĂŒblicherweise Geburtsdatum, NationalitĂ€t und Zivilstand â was in Deutschland «Staatsangehörigkeit» und «Familienstand» heisst und dort rĂŒcklĂ€ufig ist. Bei auslĂ€ndischer Staatsangehörigkeit gehört in der Schweiz zusĂ€tzlich die Aufenthaltsbewilligung dazu, etwa B oder C. FĂŒr deutsche Bewerbende ist das der Punkt, der am hĂ€ufigsten fehlt.
Ton, Begriffe, Orthografie
Kein Auftragen. Schweizer Personalverantwortliche reagieren erkennbar negativ auf Ăbertreibung. Ehrliche Beschreibungen mit glaubhaften Beispielen wirken besser als Superlative. Auch akademische Titel werden zurĂŒckhaltender gefĂŒhrt und nicht vor den Namen gestellt.
Motivationsschreiben. Die begriffliche Falle: In der Schweiz ist das Motivationsschreiben â manchmal Begleitschreiben genannt â das, was in Deutschland Anschreiben heisst. In Deutschland bezeichnet «Motivationsschreiben» hingegen die optionale dritte Seite zusĂ€tzlich zum Anschreiben. Wenn eine Schweizer Ausschreibung ein Motivationsschreiben verlangt, will sie kein Zusatzdokument, sondern das Bewerbungsschreiben.
Orthografie. In der Schweiz gibt es kein Eszett; geschrieben wird durchgehend «ss» â Grösse, Massnahme, gross. Ein Dossier mit deutscher Schreibung wird niemanden abschrecken, aber es ist ein Detail, das auffĂ€llt.
Sprachregion. Bewirb dich in der Sprache der Region: Deutsch, Französisch oder Italienisch, je nach Kanton und Ausschreibung.
Umzugscheckliste fĂŒr dein Dossier
Von Deutschland in die Schweiz:
- Foto ergÀnzen, Hochformat, 4,5 à 6,5 cm bis 6 à 9 cm, maximal zwei Jahre alt
- Titelblatt ergÀnzen, mit Zielposition und Beilagenverzeichnis
- alle Arbeitszeugnisse beilegen, antichronologisch
- NationalitÀt und, falls nötig, Aufenthaltsbewilligung eintragen
- Ort, Datum und Unterschrift unter dem Lebenslauf entfernen
- Superlative im Schreiben streichen, Titel nicht vor den Namen setzen
- Eszett durch «ss» ersetzen
Von der Schweiz nach Deutschland:
- PrĂŒfen, ob das Verfahren anonymisiert ist; dann Foto weglassen
- Ort, Datum und Unterschrift unter den Lebenslauf setzen
- Lebenslauf auf ein bis zwei Seiten straffen, Zeugnisauswahl statt Vollsatz
- Leistungen im Anschreiben expliziter benennen, weil die Zeugnisformulierung anders gelesen wird
Zusammenfassung
- Foto: in der Schweiz Konvention, in Deutschland freiwillig mit Trend zu fotolos.
- Dossier heisst vollstÀndig: alle Arbeitszeugnisse, nicht die Auswahl.
- Lebenslauf in der Schweiz zwei bis drei Seiten und ohne Unterschrift.
- Motivationsschreiben in der Schweiz entspricht dem deutschen Anschreiben, nicht der dritten Seite.
- ZurĂŒckhaltung im Ton, «ss» statt Eszett, Sprache der Region.
Wenn dein Dossier bis auf das Foto steht: 8 bis 15 Selfies hochladen, Preis danach wÀhlen, in rund zwei Stunden liegt ein privater Galerie-Link im Postfach. Ein kostenloser Neu-Durchlauf ist pro Auftrag enthalten, die hochgeladenen Selfies werden nach sieben Tagen automatisch gelöscht. Zum Upload
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HĂ€ufige Fragen
Ist ein Bewerbungsfoto in der Schweiz ĂŒblicher als in Deutschland?
Ja, die Konvention ist robuster. In beiden LÀndern ist es freiwillig, aber in Deutschland hat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 2006 eine breite Bewegung zu fotolosen und anonymisierten Verfahren angestossen. In der Schweiz behandeln Stellenportale das Foto weiterhin als Teil eines vollstÀndigen Dossiers.
Was ist der Unterschied zwischen Bewerbungsdossier und Bewerbungsmappe?
Es ist im Kern dasselbe mit anderem Namen und anderem Anspruch. Bewerbungsdossier ist der Schweizer Begriff und meint ein vollstĂ€ndiges Paket inklusive aller Arbeitszeugnisse und Diplome. In Deutschland ist eine Auswahl der wichtigsten Nachweise ĂŒblicher.
Heisst das deutsche Anschreiben in der Schweiz Motivationsschreiben?
Funktional ja, und das ist eine Falle. In der Schweiz erfĂŒllt das Motivationsschreiben beziehungsweise Begleitschreiben die Rolle des deutschen Anschreibens. In Deutschland meint Motivationsschreiben dagegen die optionale dritte Seite zusĂ€tzlich zum Anschreiben.
Muss ich den Lebenslauf in der Schweiz unterschreiben?
Nein. In der Schweiz wird der Lebenslauf ĂŒblicherweise nicht mit Ort, Datum und Unterschrift abgezeichnet. In Deutschland ist genau das die Konvention. Wer aus Deutschland kommt, unterschreibt hier aus Gewohnheit und wirkt damit altmodisch.
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